Für diejenigen, welche mit dem Begriff Corps bisher noch nichts anfangen konnten, sei kurz eine Erläuterung gegeben:

Der Begriff Corps stammt aus dem Französischen le corps, was soviel wie Körper oder Körperschaft bedeutet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war dieser Begriff üblich für Gemeinschaften jeglicher Art und stammte aus der Militärsprache

Heute sind Corps farbentragende und schlagende Verbindungen, die politische und konfessionelle Bindungen als Verbandsprinzip ablehnen. Sie sind als die ältesten heute noch bestehenden Verbindungstypen aus den (alten) Landsmannschaften des 17. und 18. Jahrhunderts hervorgegangen, deren Bezeichnung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gleichbedeutend mit Corps verwendet wurde. Erst das Entstehen der neuen Landsmannschaften führte zu einer Trennung der beiden Ausdrücke.

Wie diese Begriffserklärung schon nahe legt, entstanden die ersten Corps zum Ende des 18. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Sie verstanden sich damals vor allem als Gemeinschaft verschiedener Studenten aus der selben Region, die sich an den Universitäten zusammenschlossen. Daher besitzen viele Corps Namen, die diese alte regionale Verbundenheit noch heute ausdrückt, das Corps Germania jedoch nicht. Im Laufe der Zeit verlor sich dieser Aspekt jedoch vollends und die Corps stellen nun vor allem tolerante und unpolitische Wertegemeinschaften männlicher Studenten dar.

Hier liegt auch der zentrale Unterschied, der Corps von allen anderen Verbindungen trennt: Das Corps an sich ist unpolitisch, das heißt es betreibt kein politisches Engagement. Dies beruht keineswegs auf Desinteresse oder Faulheit und einzelne Mitglieder können und sollten selbstverständlich eine eigene politische Meinung haben. Vielmehr ist dies auf der nun zweihundertjährigen Erfahrung begründet, dass sich das Corps aus den politischen Gegebenheiten heraushält und mehr Gewichtung auf seine eigenen Traditionen, Werte und Mitglieder legt. Dies wird um so mehr verständlich, wenn die häufig wechselnden politischen Machtverhältnisse der angesprochenen Zeitspanne bedacht werden. Gleichzeitig ist ein Corps nicht durch religiöse Zusammengehörigkeit definiert und unterscheidet sich so deutlich von den konfessionellen Verbindungen. Eher das direkte Gegenteil is der Fall, denn Religion oder Herkunft war für den Corpsstudenten nie ein Thema der Differenzierung - so führte zum Beispiel die Weigerung der Corps, ihre jüdischen Corpsbrüder auf Geheiß des NS-Regimes zu entlassen, auch zu ihrer staatlich befohlenen Zwangsauflösung in den Jahren 1935/36. Mit dem Ende des 2. Weltkrieges rekonstituierten sich die meisten Corps wieder. Die NS-Epoche war somit für die Corps überstanden und man blieb sich seiner Werte und Corpsbrüder in dieser Zeit treu!

Corps sind heute wie damals eine akademische Gemeinschaft. Diese besteht aus den Aktiven, die sich im Studium befinden und den Alten Herren, die ihr Studium bereits beendet haben und den Aktiven mit Rat und Tat zur Seite stehen. Andererseits sind die Aktiven das Herz des Corps, da sie es und auch das Semester mit Leben erfüllen. Dieser erfolgreiche Generationenvertrag ist Grundlage des Corpslebens und mit Sicherheit auch Teil des Erfolgskonzeptes auf dem dieses Verbindungswesen fußt. Nahezu alle wichtigen Entscheidungen werden in einem Corps auf demokratischem Wege gefällt und das schon seit ihren Gründungstagen. Dies stellt ein weiteres markantes Merkmal des Corpsstudententums dar, dass umso revolutionärer erscheint, wenn man sich vor Augen führt, seit wann in Deutschland die Demokratie erst den breiten Einzug gefunden hat. Die Corps waren ihrer Zeit damals schon weit voraus.

Der Corpsstudent von heute versucht, im Zuge seines Aktivenlebens, teils durch erzieherische Aspekte im Sinne von Verantwortung, Herausforderung und Eigendisziplin, aber auch durch die Veranstaltungen und die Gemeinschaft an sich, die Synthese aus der Pflege traditioneller Werte und den aktuellen Anforderungen zu erreichen. Genau diese intelligente Kombination von Altem und Neuem trägt einerseits zu dem reizvollen und interessantem Ambiente des Corpsstudententums bei, fördert aber andererseits auch eine vielschichtige menschliche und gesellschaftliche Ausbildung. Letzteres ist besonders im Hinblick auf das spätere Berufleben der aktiven Studenten von zunehmender Wichtigkeit.

Aufgrund der hohen Bedeutung des Studiums für das weitere Berufsleben, entstanden in den letzten zwanzig Jahren immer mehr Förderungsinstitutionen um die Alma mata nach angloamerikanischem Vorbild. Diese versuchen durch Kontaktbildung zu im Beruf stehenden ehemaligen Studenten, durch Seminare zur Vermittlung von 'Softskills' und weitere studienbegleitende Maßnahmen das westliche Vorbild nachzuahmen. Absurd daran ist die Ignoranz unserer eigenen Tradition und Geschichte, denn solche Institutionen versuchen zwanghaft etwas mehr oder weniger erfolgreich aus dem Ausland zu kopieren, was schon seit zweihundert Jahren erfolgreich im deutschsprachigem Raum mit eigener Geschichte und eigenen Traditionen etabliert ist: Die Corps - zweihundert Jahre blühende Existenz durch fünf große politische Umstürze Deutschlands hindurch, gründen sich logischer Weise auf ein starkes System und sinnvolle Werte!

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