Die Geschichte des Corps Germania war in den Anfangsjahren recht wechselhaft. Germania wurde am 14. November 1863 als Burschenschaft gegründet – wohl wegen der patriotischen Welle, die damals durch Deutschlands Universitäten ging: hatte doch in diesem Jahr der Kampf um die Einigung Schleswig-Holsteins begonnen, und einige der Gründungsväter des Corps stammten aus diesem Landstrich.


Hambacher Fest

Bernhard Wieck versammelte sieben weitere Studenten um sich und gründete Germania – zunächst mit schwarz-rot-goldenem Burschenband, um der patriotischen Stimmung allgemeinen Ausdruck zu verleihen. Die ersten Chargen bekleideten damals Eugen Jäger (als Senior), Heinrich Lindau (als Consenior) und eben genannter Bernhard Wieck (als Kassier). Schon damals vertrat dieser Bund eine strenge Auffassung, was das studentische Fechten betrifft; dieser Haltung war es zu verdanken, dass man sich immer mehr den anderen schlagenden Verbindungen annäherte, die eine Bestimmungs-mensur zur Pflicht hatten. Das waren die Corps.

 


TU München bei der Gründung als Polytechnikum
1868

Als der Kontakt zu den Corps immer enger wurde, beschloss man eine stufenweise Annäherung, indem man sich zunächst am 22.03.1865 zur Landsmannschaft umwandelte, und so eine Zwischenposition zwischen Burschenschaft und Corps einnahm. Auf Betreiben des ersten Fuchsen Germanias, Martin Werle, wurde schließlich der Schritt zum Corps am 10.12.1867 besiegelt und durch ein neues Burschenband mit blau-gold-roten Farben auch äußerlich deutlich gemacht.

 

Das corpsstudentische Leben Germanias fand nun in enger Beziehung zu den drei anderen Corps am Polytechnikum statt: Vitruvia, Cisaria und Rheno-Palatia, mit denen man gemeinsam einen Delegiertenconvent gründete. Aber auch der Kontakt zu den Corps an der Hochschule wurde von Germania gepflegt und mag dazu beigetragen haben, dass die Corps an den beiden Hochschulen auch heute noch enger zusammenarbeiten als in anderen Hochschulorten Deutschlands. Mit der Anerkennung des Polytechnikums als vollwertige Hochschule im Jahre 1868 wurden die vier Corps des Delegiertenconvents ein fester Bestandteil des Münchner Straßenbildes. Stolz über diesen Aufstieg ahnte man damals noch nicht, dass man fast 140 Jahre später zur ersten Eliteuniversität Deutschlands gehören würde.


Das Corpshaus in der Stollbergstraße

Im deutschen Einigungskrieg 1870/71 standen bereits 31 Germanen unter Waffen, von denen alle trotz Verwundung die Heimat wieder sehen durften. Mit der Reichsgründung blühten die Corps nun erst richtig auf und nahmen regen Anteil am gesellschaftlichen Leben der damaligen Zeit. Aus diesen von repräsentativen Veranstaltungen geprägten Tagen stammt auch noch die zum 20. Stiftungsfest geschaffene Corpsfahne, welche heute noch den Kneipsaal des Corpshauses schmückt.

Mit dem wachsenden gesellschaftlichen Leben wuchs bei Germania auch der Wunsch nach einem eigenen und vor allem repräsentativen Corpshaus. Der Bau wurde von einem eigens gegründeten Corpsphilister-Verein in Angriff genommen und finanziell vor allem von den beiden Corpsphilistern Auvera und Sedelmayr (dem damaligen Besitzer der Spatenbrauerei) getragen. Architekt war niemand Geringerer als der Corpsphilister (Alter Herr) Gabriel von Seidl, der das gesamte Stadtbild Münchens mit seinen Bauten wie z.B. dem bayrischen Nationalmuseum in der Prinzregentenstraße, dem Lenbachhaus, dem Stachus-Rondell oder dem deutschen Museum wesentlich geprägt hat. Im Jahre 1907 konnte dieses stolze Vorhaben erfolgreich abgeschlossen werden, und noch heute braucht dieses Haus in der Stollbergstraße 12 in keinerlei Hinsicht den Vergleich mit anderen Verbindungshäusern zu scheuen – mit Sicherheit zählt es zu den Schönsten in München.

Am 15.07.1912 trat Germania dem Dachverband der so genannten „Weinheimer Corps“, dem Weinheimer Seniorenconvent bei und nahm so teil an der immer weiter zunehmenden gesellschaftlichen Festigung, die die Corps erfuhren.

Die Wachenburg des WSC nahe Weinheim

Mitten über diese festfreudige Zeit legte sich der Schatten des ersten Weltkrieges. Alle Aktiven hatten sich selbstverständlich freiwillig gemeldet, und auch viele Alte Herren hatten den Einberufungsbefehl in der Tasche. Der Krieg forderte seine Opfer, und 19 Aktive und ein Alter Herr blieben auf den Schlachtfeldern zurück.

Trotz der harten Zeiten der Nachkriegsjahre blühte Germania wieder auf und konnte 1921 die heute kaum mehr vorstellbare Zahl von 31 aktiven Burschen und 11 Füchsen vorweisen. Auch fechterisch war man damals nicht untätig. Aufgrund einiger Meinungsverschiedenheiten stürzte Germania im Wintersemester 1927/28 dem gesamten Stuttgarter Seniorenconvent (also vier Corps) insgesamt 22 Glieder einer pro patria Suite. Ein einzelnes Corps gegen einen gesamten Seniorenconvent auf dem Fechtboden, das war selbst in jener Zeit keine alltägliche Angelegenheit und war wohl nicht zuletzt auch ein Ergebnis der betont sportlichen Erziehung, die Germania ihren Aktiven damals zuteil werden ließ.

Ansonsten wurden die Zeiten immer trüber – der Untergang der Weimarer Republik bahnte sich an. Zum 70. Stiftungsfest im Juni 1933 wurden die Farben des Corps zum letzten mal auf einer größeren offiziellen Veranstaltung gesehen. Mit mehreren sukzessiven Verordnungen gestalteten die Nationalsozialisten die Corps schrittweise um und entzogen ihnen ihre demokratische Struktur. Jeder Philistervorsitzende musste Parteigenosse werden, weshalb der damalige Vorsitzende der Germania sich zum Rücktritt veranlasst sah. Schließlich gab man die Versuche auf, das Corps in angepasster Form zu erhalten – am 22.02.1936 löste man sich per eigenem Beschluss auf, das Corpshaus wurde abgegeben. Ein geregeltes Aktivenleben war aufgrund der zahlreichen nationalsozialistischen Dienstverpflichtungen ohnehin kaum mehr möglich gewesen.

Am 30.11.1938 schloss sich Germania mit dem ebenfalls aufgelösten Corps Vitruvia zur Kameradschaft „Andreas Hofer“ zusammen, und in dieser Form überdauerte man den zweiten Weltkrieg, in dessen Verlauf 21 Corpsbrüder ihr Leben im Felde ließen.

Das Ende des zweiten Weltkrieges lieferte eine traurige Bilanz für das Corps. Das Haus war durch Brandbomben zerstört und die Corpsbrüder waren in alle Winde zerstreut. Doch wieder fanden sich einige, die in unermüdlichen Recherchen nach Adressen forschten und andere, die den Kampf um das seinerzeit verlorene Corpshaus aufnahmen, und mit viel persönlichem Einsatz insbesondere der Alten Herren Kohler, Schmuck, Müller und Knöringer konnten Corpshaus und Corpsstudenten wieder vereint werden. 1953 wurde der „Verband Alter Münchner Germanen“ als Besitzer des Hauses in das Grundbuch eingetragen, und am 16.07.1960 wurde es nach gründlicher Renovierung festlich an das Corps übergeben. Ein weiteres Mal war das Corpshaus in Gefahr, als im Zuge der Olympiavorbereitungen in München, der Altstadtring gebaut werden sollte. Nur durch die architektonische Besonderheit der freischwebenden Ballsaaldecke blieb das Corpshaus vom Abriß verschont.

Aber auch die quantitative Personallage brachte mit der 68er-Revolution einige bange Zeiten, die in den 70er Jahren ein Wechselbad der Gefühle war. Ende der 70er Jahre begann das Corps Germania als erstes in der damals neu eröffnete Universität der Bundeswehr in Erscheinung zu treten. Es betrieb in dieser Hinsicht erfolgreich Pionierleistungen, denn heute sind auch wieder Offiziere und Offiziersanwärter im couleurstudentischem Umfeld regelmäßig anzutreffen.

Heute blüht das Corps wieder in vollen Zügen. Mit mehr als 20 aktiven und inaktiven Corpsbrüdern von allen Münchner Hochschulen, kann das Corps sehr stolz auf eine nicht immer einfache 147 jährige Geschichte zurückblicken, die immerhin fünf verschiedene deutsche Staatsepochen miterlebt hat.