Das Fechten von Mensuren wird oftmals als
ein veraltetes Ritual Ewiggestriger betrachtet. Zugegeben,
das Fechten ist viele Jahrhunderte alt, Studenten fechten,
seit Ihnen Kaiser Barbarossa das Recht zum Tragen einer
Waffe und die eigene Gerichtsbarkeit verlieh. Über
die Jahrhunderte verfeinert ist es heute eine sehr herausfordernde,
schnelle und elegante Variante der Fechtkunst, bei der Mut
und Disziplin gefordert werden, wie in wenigen anderen sportlichen
Betätigungen.
1000 Jahre alt, aber veraltet ist es deswegen
noch lange nicht, im Gegenteil! Mehr und mehr wird wieder
erkannt, dass das Fechten ein wesentliches Unterscheidungs-
und Auswahlkriterium bei der Ausbildung künftiger Führungskräfte
und Leistungsträger in unserer Gesellschaft ist. Fechten
ist also absolut aktuell. Und das Ganze macht auch noch
Spaß!
Halten wir uns vor Augen:
Von allen schlagenden Verbindungen fechten
die Corps am meisten. Gleichzeitig sind gerade die Corps
besonders angesehen und erfolgreich. Obwohl ihre Anforderungen
an das Studium als auch an den Fechtstandpunkt besonders
hoch sind, verzeichnen gerade sie höchsten Mitgliederzuwächse.
Es gibt also einen Zusammenhang zwischen der Leistungsbereitschaft
des einzelnen Mitglieds, seinem beruflichen Erfolg und dem
Erfolg und Renommee der Verbindung in der Öffentlichkeit.
Worum geht es bei einer Mensur?
Zunächst ist eine Mensur ein in Ablauf,
Hiebtechnik und Verteidigung präzise geregelter Wettkampf
mit scharfen Klingen zwischen Angehörigen verschiedener
Verbindungen. Im Gegensatz zur allgemeinen Volksaufassung
ist der Schmiss als 'Renommierer' nicht das Ziel der Mensur.
Er kann als Folge eines Fechtfehlers passieren. Daher gilt
auch hier, wie sonst auch im Leben: Können kommt von
Üben. So wird das Fechten regelmäßig, sorgfältig
und unter Anleitung im jeweiligen Corps trainiert. Üblicherweise
werden von den Mitgliedern erfolgreicher Corps während
ihrer Aktivzeit zwischen 5 und 10 Mensuren gefochten. Psychologisch
gesehen geht es dabei für jeden Einzelnen um das persönliche
Durchsetzen und Durchstehen einer Extremsituation.
Jede einzelne Mensur ist ein außergewöhnliches
und prägendes Erlebnis, das jeden von uns mit Stolz
erfüllt, unsere Persönlichkeit prägt und
uns durch seine Intensität lebenslang fest mit unserem
Corps verschweißt.
Was empfindet man während
der Mensur?
Während einer Mensur ist der Fechter
neben der sportlichen und konditionellen Belastung insbesondere
durch die Überwindung seiner eigenen Furcht gefordert.
Diese Furcht vor dem Risiko, in das er sich kalkuliert,
mental, technisch und konditionell vorbereitet begeben hat,
beherrscht der Beteiligte nur durch intensivste Anstrengung
von Körper und Geist.
Da es bei der Mensur weder Sieger noch
Besiegte gibt, geht es hier auch nicht um die Furcht vor
dem Verlieren, vielmehr geht es um die Sorge, ob man besteht
oder nicht. Nach innen ist die Mensur für den Corpsstudenten
also jedes Mal eine neue Bewährungsprobe mit dem Ziel,
den 'inneren Schweinehund' zu überwinden. Nach außen
in die Gruppe ist sie ein klares Bekenntnis der Zugehörigkeit
und des festen Willens, für die Gemeinschaft auch unter
Inkaufnahme von Risiken seinen Mann zu stehen.
Mensur ist erst dann erfolgreich, wenn es dem Fechter gelingt,
mit klarem Blick, ritterlicher Haltung und sportlichem Ehrgeiz
sein Risiko so zu meistern, dass er selbst auf sich und
seine Corpsbrüder auf ihn stolz sein können. Der
Stolz auf sich und der Stolz auf jeden einzelnen in der
Gruppe verbindet uns ein Leben lang, wir wissen, dass wir
uns auf unsere Mitglieder immer verlassen können.
Geschult, Stresssituationen auch in unserem
späteren Leben mannhaft zu bewältigen, sind wir
in der Lage, Examen, Auseinandersetzungen, aber auch Verhandlungen
oder unser Auftreten vor einer großen Öffentlichkeit
mit Ruhe und Gelassenheit überzeugend zu meistern.
Hier schließt sich der Bogen zum Ansehen und
zum Erfolg:
Die Kraft der freien Entscheidung, der
Mut zum Risiko, die Bereitschaft, mehr zu leisten als der
andere, der Durchhaltewille und die Durchhaltekraft und
manchmal auch das nötige Quäntchen Glück
unterscheiden uns auch später von vielen anderen. Die
Mensur trägt hier wesentlich dazu bei, dass der Einzelne
die Schwelle vom Leistungsempfänger zum Leistungsträger,
von der geführten Persönlichkeit zur Führungspersönlichkeit
überschreitet.
Das Corps Germania setzt für seine
Mitglieder mindestens vier unseren Ansprüchen genügende
Mensuren voraus. Diese bauen im Schwierigkeitsniveau aufeinander
auf, d.h. mit jeder Partie müssen mehr Hiebe gezeigt
und pariert werden. Auf diese Weise wird den jungen Studenten
das Fechten in einem sinnvollen didaktischem Aufbau gelehrt.
Das Training findet bis zu 5 mal wöchentlich unter
Anleitung eines Trainers statt. Im Corps Germania werden
Bestimmungsmensuren, PPS und PC gefochten.
